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Überreichung des Bundesverdienstkreuzes am Bande an Willi Pispers
Im Oktober 1982 suchte Willi Pispers erstmalig Kontakt zur Suchtberatungsstelle des Caritasverbandes Bad Kreuznach. Ein „ganz normaler Mensch“ mit einer intensiven, jahrzehntelang andauernden Alkohol- und Medikamentenabhängigkeit stand bzw. saß vor mir.Etwa 12 Entzüge lagen hinter ihm, und er wollte endlich aufhören, süchtig zu leben.Den Ausstieg schaffte er am 23. November 1982 – das heißt, er blickt auf 28 klare Jahre zurück.Es war für ihn an langer anstrengender Weg mit psychosozial einigen Höhen und Tiefen – bis er zu der Persönlichkeit wurde, die er heute darstellt! Er hat gekämpft um jeden einzelnen Entwicklungsschritt. Dabei erhielt er Hilfe im Form von vielen Einzel- und Gruppengesprächen bei der Suchttherapeutin Jutta Gewehr.
Bald bekam er Interesse, dass, was er an sich Gutes erlebt hatte, an andere „Noch-Leidensgenossen“ weiterzugeben – in Form von ehrenamtlicher Hilfe. Willi Pispers wurde Kreuzbundmitglied.Der ohne Vater (vermisst in Stalingrad) Aufgewachsene, einst an sich selbst Zweifelnde und seine wahre Identität Suchende wurde im Februar 1986 erstmalig Gruppensprecher, wie es im Kreuzbund heißt.
Er nahm an vielen intensiven Selbsterfahrungsseminaren teil und übernahm erste „Ämter“:Vorsitzender des Kreuzbund-Stadtverbandes Bad Kreuznach (mit mittlerweile 9 Gruppen), Regionalvorsitzender, ab 2001 Stellvertreter des Diözesanvorsitzenden. Willi Pispers aktivierte den Kreuzbund (den es seit 1977 unter dem verstorbenen Klaus Weiler gab) systematisch zu neuem Leben: Kreuzbündler fahren in die Rhein-Hessen-Fachklinik Alzey, ins Klinitel Gensingen und bieten Informationen an, sie unterhalten sich mit Strafgefangenen in der JVA Wöllstein. Seit Jahrzehnten hat der Kreuzbund ein reges Vereinsleben: Sommerfeste, Fahrradtouren, Bus- und Schiffsausflüge, Adventsfeiern sind nur einige Facetten.
Die hervorragende Zusammenarbeit der professionellen Hilfe für Suchtkranke (Beratungsstelle der Caritas) und der ehrenamtlichen Selbsthilfe des Kreuzbundes ist in Bad Kreuznach beispielhaft:Gemeinsame Präventionsveranstaltungen gibt es seit Jahrzehnten; von Ludwig Feldmann (Suchtberater bis 2003) wurde Willi Pispers eingebunden in den Arbeitskreis Alkohol am Arbeitsplatz“, in den Aufbau von Gruppen, z.B. für Migranten.
Willi Pispers ist im wahrsten Sinne des Wortes ein Kreuzbündler als „Selbsthelfer und Helfer“! Seine zweite Leidenschaft ist das Fotografieren, seine dritte das Bahnreisen in der Schweiz. Diese Hobbys teilt er seit langem mit neuen Freunden, die zu seinem neuen gesunden, selbstbewussten Leben passen.
Ein Höhepunkt war für ihn die Überreichung des Bundesverdienstkreuzes am Bande am 15. September 2010 durch Frau Ministerin Malu Dreyer. Als besondere Ehre empfand Willi Pispers, dass der Landrat des Kreises Bad Kreuznach, Herr Franz-Josef Diel und als Vertreterin der Stadt, Frau Andrea Manz, persönlich nach Mainz angereist kamen, um ihm zu gratulieren.Von weiteren Politikern erhielt er Glückwunschschreiben.
Dies gibt Willi Pispers Kraft, dieses ganz besondere Ehrenamt mit Freude und Engagement (natürlich mit Unterstützung seiner Kreuzbundfreunde) weiterzuführen – wenngleich er sich wünscht, dass sich Nachfolger finden, die in seine Fußstapfen treten. Schließlich wird der Kreuzbund im Jahr 2012 (nach der Wiederbelebung 1987) 25 Jahre alt – und das muss gebührend gefeiert werden.
Jutta Gewehr/ Dipl. Pädagogin/Suchtberaterin
Tel.: 0671/83828-22
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